Sonntag, 5. Dezember 2010

"Dunkelstein" von Robert Schindel

124 Seiten
ISBN 9783852186450
Haymon-Verlag
Preis: 17,90€
gebundene Ausgabe


Ein Buch, das sicher nicht jeder lesen mag oder kann. Warum, fragen jetzt sicher einige. Das will ich gerne versuchen, zu erklären.

Es geht in diesem Buch um Juden im 2. Weltkrieg. Um genau zu sein, in diesem Fall die jüdischen Einwohner Wiens. Sie sollen weg, so schnell wie möglich, so viele wie möglich, egal wie, Hauptsache raus aus Österreich. Das liest sich hart und so ist es auch. Um dabei soviele Juden wie nur irgend möglich zu retten, bleibt dem Rabbiner Dunkelstein nichts anderes möglich, als mit den Nazis zu kooperieren. Unglaublich, aber wahr.

Robert Schindel stellt das Ganze als Theaterstück dar, was nicht unbedingt leicht zu lesen ist. Aber es packt einen, läßt den Leser mitfiebern, mitzweifeln, mithoffen. Im Wechsel wird mal eine Gesprächsrunde von Komparsen, dann das eigentliche Stück wiedergegeben. Die Person Dunkelstein gerät dabei schnell in den Vordergrund, denn dem einen oder anderen Darsteller ist nicht klar, wie es sein konnte, sich den Nazis zu unterwerfen, ja förmlich anzubiedern, um letztendlich zu gewinnen. Immer wieder werden dazu Szenen eingebracht, die das damalige Geschehen beschreiben.

Mein Fazit

sehr gut

Der Haymon-Verlag hat mir dieses Buch zugesendet, weil ich es mir aus ihrem Programm ausgesucht habe. Und ich habe es nicht bereut.

Ja, das Lesen an sich war nicht ohne, es bedurfte etwas Zeit, sich einzulesen. Aber das Buch hat sich mir geöffnet und ich habe es gerne gelesen, auch wenn die Thematik nicht ohne ist. Durch den Drehbuch-Charakter kommen keinerlei Längen auf, die Dialoge sind deutlich und direkt, ohne Umwege. Es regt zum Nachdenken an, ohne Zweifel. Denn das, was Herr Schindel hier zu Papier gebracht hat, ist so ähnlich geschehen, wie im Nachwort zu lesen ist. Das macht das Stück so unglaublich, aber auch faszinierend.

Glücklicherweise ist ein Glossar vorhanden, denn einige Passagen sind jüdisch oder wienerisch beschrieben, was das Ganze leider kurzfristig stocken läßt, wenn dem Leser die Sprache und der Dialekt nicht oder nur wenig bekannt ist.
Wer sich näher mit diesem Thema beschäftigt, und mal ein etwas anderes Buch dazu lesen möchte, sollte es in jedem Fall versuchen.

Der Autor
geboren 1944 in Bad Hall/Oberösterreich, lebt als freier Schriftsteller in Wien. Ausgezeichnet u. a. mit dem Erich-Fried-Preis 1993 und mit dem Eduard-Mörike-Preis 2000. Zahlreiche Publikationen, u. a. Gebürtig. Roman (1992), Immernie. Gedichte (2000), Nervös der Meridian. Gedichte (2003), Mein mausklickendes Saeculum. Gedichte (2008). Bei Haymon: Kassandra. Roman (2004), Der Krieg der Wörter gegen die Kehlkopfschreie. Capriccios (2008).
Quelle:Haymon-Verlag.at

Ich bedanke mich herzlich für dieses Rezensionsexemplar beim Haymon-Verlag und Nicole Oberdanner vom Marketing

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