Samstag, 30. April 2011

"Rauhe Sonnseite" von Franz Josef Kofler

232 Seiten
ISBN 9783852188669
Haymonverlag
Preis: 12,95€
Taschenbuch


Dort, wo es Sonnenseiten gibt, sind sicher auch Schattenseiten. Auch in den Bergen. Denn dort lebt Kofler in seiner Kindheit. Und er berichtet uns von seinem Leben, von der Arbeit als Kind, die für unsere Kinder heutzutage sicherlich unvorstellbar wäre. Sein Leben spielt um die Jahrhundertwende, und wir dürfen ihn begleiten. Da geht es zum Beispiel um Kirchgänge, jede Menge sogar. Zu der Zeit, und auf einigen Höfen vielleicht auch noch heute, waren die Menschen sehr gläubig. Und so gab es zu jedem erdenklichen Grund auch einen passenden Kirchentag. Sie baten um mehr Regen, wenn es zu trocken war und umgekehrt, oder dass der Blitz bei Gewitter nicht einschlagen möge. Kofler und seine Familie betrieben damals auch einen Bergbauernhof, und so gab es immer etwas zu schaffen, auch für die Kinder. Wolle spinnen, Heu und Getreide einholen, Holz machen usw. Aber er erzählt uns auch, was sie für Spielzeug besassen, was sie für Kleidung trugen, und vor allem, wie diese Sachen hergestellt wurden. Kein Strom, also auch kein elektrisches Licht, nicht mal eben den Fernseher einschalten, all dies gab es nicht, wurde aber natürlich auch nicht vermisst. Schwierig für mich, all das Gelesene hier kurz zusammen zufassen, denn sein Bericht ist wirklich sehr vielfältig und entsprechend interessant.

Mein Fazit

sehr gut

Es hat mir gut gefallen, darüber zu lesen, gerade weil es so vielfältig ist. Manch einer mag denken, ach nein, wie langweilig, da oben in den Bergen, womöglich eingeschneit, keine Abwechlung. Doch von langer Weile wird man in diesem Buch kaum lesen, den es gab eben immer etwas zu tun. Mit viel Liebe zum Detail erfahren wir viel über das Leben in den Bergen, den Glauben, und auch den Aberglauben der Menschen, denn die Menschen waren abhängig vom Gelingen der Ernte usw., da war es nicht verkehrt, den Herrn um eine gute Ernte zu bitten. Dementsprechend werden auch viele Rituale beschrieben, um Böses vom Hof und von den Feldern fern zuhalten.
Das Buch ist in zahlreiche Kapitel unterteilt, die jeweils einem bestimmten Thema gewidmet sind. Zusammengestellt wurde es aus vielen Einzelberichten, die Kofler im Lauf der Zeit geschrieben hat. Wer sich für die Zeit in den Bergen Tirols um die Zeit vor den beiden Weltkriegen interessiert, wird hier sicher nicht enttäuscht werden.

Der Autor
Franz Josef Kofler, geboren 1894 in Heinfels bei Sillian/Tirol, gestorben 1961 in Schwaz. Priester, Lehrer, Literat, Käferforscher. Seine Käfersammlung mit 50.000 Exemplaren befindet sich heute im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Lange Zeit nach Der Sieger. Bergroman (1922) erschien Rauhe Sonnenseite. Erinnerungen an eine Kindheit am Bergbauernhof 1985 erstmals im Haymon Verlag. Sein literarischer Nachlass besteht aus 700 Manuskripten. 
Quelle: Haymonverlag

Ich bedanke mich herzlich bei Nicole Oberdanner vom Haymonverlag, die mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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