Donnerstag, 14. April 2011

"Sarahs Schlüssel" von Tatiana de Rosnay

394 Seiten
ISBN 9783827009357
Berliner Taschenbuchverlag
Preis: 15,-€
geb. Sonderausgabe


Ihr kennt das bestimmt auch: Man hat ein Buch gelesen - Ende. Zuklappen, aber diesmal ganz leise, ganz vorsichtig. Wie um die Gedanken nicht so aufzuwirbeln. Um alles an seinen Platz zu sortieren, sacken lassen. So jedenfalls ging es mir mit diesem Buch.

Sarah lebt mit ihrer Familie in Paris, es ist Juli 1942. Mitten in der Nacht kommt die französische Polizei, um sie abzuholen. Sarah versteht nicht, was los ist. Nachts hat sie immer wieder gehört, wie sich Papa und Mama leise unterhalten haben. Um was es geht, weiß sie nicht, aber sie ist sich sicher, dass alles wieder gut wird. Kurzerhand schließt sie den kleinen Bruder Michel in ihrem Geheimversteck ein, nimmt den Schlüssel an sich und verspricht ihm, dass sie wieder kommt, damit sie ihn wieder befreien kann . . .  Doch dazu wird es nicht kommen. Alle werden in eine große Halle zusammen getrieben, Juden wie sie, Kinder, Väter, Mütter, Alte, Kranke . . . Alle. Und es gibt kein Entrinnen. Für Sarah und auch für ihre Eltern eine schier unerträgliche Situation, die sie nicht ändern können. Mit dem Zug werden sie fortgebracht, hinaus aus der Stadt, weit weg von Michel . . . zu weit.

60 Jahre später arbeitet Julia, Amerikanerin,  an einem Artikel für die Zeitung. Es geht um den Gedenktag des 16. Juli 1942, der Tag der "Judenrazzia Rafle du Vél d’Hiv" in Paris. Sie recherchiert und entdeckt Dinge, die mit ihrer angeheirateten Familie zu tun haben. Und sie will und kann das Entdeckte nicht auf sich beruhen lassen.

Mein Fazit

ausgezeichnet

Wie im Flug sind die Seiten dahin geflogen, ich konnte nicht aufhören, mußte weiter lesen. Ganz leise ist dieses Buch, still und doch so laut, tief innen drin. So leise wie Sarah, als sie sich versteckt hat in einem Kartoffelkeller, um dem Ganzen vielleicht doch noch zu entkommen. So leise wie Michel, der mit seinen knapp 4 Jahren allein im Schrank saß, in der Dunkelheit, ohne seine Schwester. So leise, wie die verzweifelte Mutter, die ihren Sohn nicht helfen konnte, die ihre Tocher zum Abschied nicht in den Arm nehmen durfte. So leise wie der Vater, der seine Fanilie nicht mehr sah, bevor er nach Auschwitz gebracht wurde.
In jeder Geschichte ist ein Fünkchen Wahrheit, und so ist es auch hier. Vielleicht nicht mit einer Sarah, vielleicht war es eine Rebecca, aber diesen Tag werden die, die ihn miterlebt haben, nicht vergessen können.
Tatiana de Rosnay hat sehr gut recherchiert, bevor sie dieses Buch geschrieben hat. Und sie hat daraus eine Geschichte entwickelt, die mich sehr berührt hat, es noch tut. Im Wechsel wird die Geschichte um Sarah und Julia geschrieben, bis es Eckpunkte gibt, an denen beide Familien im weitesten Sinne Kontakt miteinander hatten, auf die eine oder andere Art.
Es ist eine Geschichte, die mich zu Tränen gerührt hat, und ich werde sicher noch einige Zeit in Gedanken dabei bleiben.

Zakhor. Al Tichkah.
Erinnere dich. Vergiss nie.

Die Autorin
Tatiana de Rosnay wuchs in Paris und Boston auf und verbrachte einige Jahre in England. Seit 1984 lebt sie wieder in Paris. Sie ist die Autorin des Weltbestsellers Sarahs Schlüssel (Bloomsbury Berlin 2007, Bvt 2008, Bloomsbury K & J Tb 2008), der unter der Regie von Gilles Paquet-Brenner verfilmt wurde.
Quelle: Berlinverlage

Kommentare:

  1. Wow. Eine tolle Rezension, man merkt, wie sehr Dich dieses Buch bewegt hat!
    Jetzt bin ich wirklich neugierig. Wobei es sicherlich kein Weglesebuch ist, sondern eines, dass einen innerlich noch für eine Weile beschäftigt.

    Lieben Gruß.

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  2. Liebe Petra,

    Sehr, sehr schön geschrieben! Ich habe eigentlich gar keine Zeit für ein weiteres Buch und meine Liste ist auch so schon endlos lange, aber dennoch komme ich nicht umhin, meine Wunschliste um dieses eine Buch zu erweitern =)

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  3. Danke für diese eindringliche Rezi, ich habe mich sofort von dem Buch angezogen gefühlt und werde es auf meinem Wunschzettel ganz nach oben setzen. Auch wenn es sicherlich keine leichte Lektüre wird.
    Wie bist du auf das Buch gekommen?

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  4. Hallo meine liebe Petra!
    Für deine tolle Rezension habe ich dir unter anderem ein Herzchen an deine Wand gepinnt. Definitiv ein Fall für meine ellenlange Wunschliste!
    Außerdem hoffe ich, dass es euch gut geht und am Wochenende auch ein bisschen Sonne genießen könnt.
    Liebe Grüße, Tanja

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  5. Hallo

    Eine wunderbare Rezension. Ein ergreifendes Thema was einem Gänsehaut bereitet.
    Das Buch landet auf meiner Wunschliste.
    Danke für den Buchtipp.

    Liebe Grüße
    Sumpflicht

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  6. Danke für diese Rezension!! Mich haben diese wenigen Zeilen bereits berührt!
    LG und ein schönes wochenende
    Sibylle

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  7. @Svenja
    Ja, ich glaube, man muß es eigentlich 2x lesen.
    @Mirjam
    Danke schön, so gings mir auch, als ich eine Rezension dazu gelesen hatte.
    @Friedelchen
    Ich las bei Lovelybooks die Rezension von fritzmaus, und war ganz hin und weg.
    @Tanja
    Danke dir, auf das die Liste nie vergehe . . .
    @Sumpflicht
    Die Gänsehaut kommt immer wieder auf.
    @Sibylle
    Das kann ich verstehen.

    ich wünsche euch auch allen ein schönes Wochenende, laßt es euch gut gehen, und genießt die Sonnenstrahlen, sie kommen bestimmt.
    LG eure Petra

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  8. Hallo Petra :)

    Ich habe "Sarahs Schlüssel" vergangenes Jahr auch gelesen. Es ist eine so traurige Geschichte und zeigt den Holocaust mal aus einer anderen Perspektive.Gerade gegen Ende musste ich doch ganz schön schlucken ...

    Es freut mich,dass dich das Buch genauso bewegt und gefesselt hat.Sehr treffend fand ich deine Bemerkung, dass das Buch leise und dabei doch so laut ist - das trifft es wirklich gut.

    Ich wünsche dir nun noch ein wunderbares Wochenende - hoffentlich mit etwas Sonnenschein!

    Liebe Grüße
    Kathrin

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  9. Hallo Petra,

    dieses Buch steht schon seit längerem auf meiner Wunschliste und deine tolle Rezi bestärkt mich nur darin, es bald wirklich zu lesen.

    LG
    Jai

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  10. Liebe Petra,

    Deine Rezension haut mich förmlich um...
    wirklich toll geschrieben!
    Ich geh jetzt mal nach dem Buch stöbern :o)

    Liebe Grüße,
    Aenna

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  11. @Kathrin
    Vielen Dank, das freut mich.
    @Jai
    Schön, dass ich es dir näher bringen konnte
    @Aenna
    Auch dir vielen Dank
    Es scheint, als ob ich damit den richtigen "Nerv" getroffen habe.
    Euch allen für die vielen Kommentare nochmals vielen Dank.
    Liebe Wochenend-Ausruh-Grüße, eure Petra

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  12. Das hört sich wie ein wahnsinnig tolles Buch an!! Muss unbedingt auf meine Wunschliste! Eine wunderschöne Rezi von dir! Danke!
    Liebe Grüße
    Martina

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