Samstag, 21. Mai 2011

"Engelspfade" von Alice Peterson

316 Seiten
ISBN 9783404165094
Luebbe-Verlag
Preis: 7,99€
Taschenbuch


Ich hatte es ja schon befürchtet, nachdem ich den Klappentext gelesen hatte; ich brauche Taschentücher. Das war und ist die Grundvoraussetzung, zumindest für mich, um dieses Buch lesen zu können.
Cass, eine junge Frau, ist nach einem Verkehrsunfall querschnittgelähmt. Rumms, aus, vorbei, Ende. Nie wieder Spaß, alles Scheiße, keine Männer, kein Sex. Nichts. Nie wieder auf Dragon reiten. Nie wieder aus dieser vermaledeiten Familie raus. Nie wieder frei und unabhängig. Das sind Cass' Gedanken, und man kann sie ihr nicht übelnehmen. Erstmal. Am liebsten den ganzen Tag unter der Bettdecke liegen, nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Aber das kann doch nicht alles sein, oder? Ihre Mutter hat Schuldgefühle, denn ausgerechnet als sie ihre Tochter nach einem dämlichen Streit auf dem Handy anrief, geschah der Unfall. Und nun will sie alles daran setzten, ihre Tochter aus diesem Loch wieder hervor zulocken. Ein harter Weg, doch es gibt da diese Organisation, die sogenannte Helferhunde ausbildet. Für Cass wäre so ein Hund die Chance, ein Stück ihrer Unabhängigkeit zurück zu erobern. Schließlich fliegt sie sogar mit einer Organisation nach Colorado, um dort Ski fahren zu lernen. Und sie lernt Charlie, einen der Betreuer kennen, der ihr viel Mut und Zuversicht macht. 

Mein Fazit

ausgezeichnet
Alice Peterson bringt hier ein Tabuthema zutage, bei dem auch heute immer noch viele Menschen weg schauen. Und die Gesellschaft macht es den Menschen im Rollstuhl wirklich nicht immer einfach. So werden hier viele sehr realistische Alltagsprobleme aufgezeigt, die unüberwindbar erscheinen, es häufig auch sind. Aber glücklicherweise gibt es auch Menschen, die sich einen Kopfgemacht haben, damit solche Hindernisse beseitigt werden oder garnicht erst auftauchen.
Cass erzählt uns hier ihre Geschichte, die durchaus wahr sein könnte. Im Wechsel begegnen wir ihr in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Sie schildert uns einen kleinen Teil ihres Lebens vor dem Unfall, die harte Zeit für sie, als ihr klar wird, was der Unfall mit ihr angerichtet hat, und wie sie im Jetzt damit umzugehen gelernt hat. Sie hat dabei einen neuen Freund, Ticket, ihr Helferhund, der vieles für sie verrichten kann. Und ich finde es faszinierend zu lesen, was er alles kann. Es ist auch schön zu lesen, dass Cass ihr Leben langsam, aber sicher in den Griff bekommt. Es gab einige Momente, in denen ich wirklich zu Tränen gerührt war, aber auch Augenblicke, in denen ich wütend wurde über soviel Ignoranz in der Welt. Cass' Selbstbewußtsein wächst in der Tat mit ihren Aufgaben: Sie zieht nach London, fährt wieder Auto, unternimmt viel, auch mit ihren Freunden Dom und Guy, die sie im Krankenhaus kennen gelernt hat. Und schließlich hat sie sogar wieder einen Job, der ihren besonderen Anforderungen entspricht. Doch es gibt auch Freunde, die nicht wissen, wie sie mit Cass' Situation umgehen sollen. Die möchte man am liebsten auch mal in einen Rollstuhl setzen, damit ihnen vielleicht klar wird, wie sich diese Perspektive anfühlt.
Die Handlung sowie auch die verschiedenen Personen sind sehr glaubwürdig dargestellt, der Schreibstil ist geradeaus und direkt, was das Lesen angenehm macht. Und ich finde es gut, dass mit jedem Thema respektvoll umgegangen wird und wirklich kein Problem unter dem Teppich verschwindet.

Die Autorin
Alice Peterson, geboren 1974, hat sich erfolgreich dem Schreiben von Romanen gewidmet, nachdem sie aus Gesundheitsgründen ihre Karriere als Tennisspielerin aufgeben musste. In ihren bisherigen Romanen "Regenbogenträume" und "Herzenssachen" widmet sie sich immer Heldinnen, die entweder selbst mit einem Handicap zu kämpfen haben oder eine problematische Situation in ihrer Familie bewältigen müssen. Peterson beschreibt diese besonderen Lebensgeschichten mit viel Gespür, Humor und einer positiven Haltung. Beide Romane wurden von den Lesern und der Presse mit großer Begeisterung aufgenommen. "Engelspfade" ist ihr dritter Roman.
Quelle: Luebbe
Ich möchte mich herzlich bedanken bei Christian Øertel, einem Buchhändler aus Neuss, der mir dieses Exemplar im Rahmen einer Bookcrossing-Aktion von Thalia zur Verfügung gestellt hat.

Kommentare:

  1. Oh...das Buch liegt noch auf meinen SuB und ist damit noch ein Stück nach oben gerückt. Irgendwie erinnert es mich auch an eines meiner Lieblingsbücher als Kind: "Mein bester Freund". Da ging es um ein blindes Mädchen, das einen Blindenhund bekommen hat...am Schluss habe ich nur gehult....okay, die Geschichte ist doch anders ;), aber es hat mich wieder an dieses Buch erinnert, das es schon so lange nicht mehr zu kaufen gibt..leider!
    Danke für die schöne Rezi!
    Martina

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  2. Hallo Petra!

    Schöne Rezension zu einem berührenden Buch! :)
    Hast du die Taschentücher gebraucht (ich nämlich -damals beim Lesen von Engelspfade- schon)?

    Liebe Grüße,
    Sabine

    PS: Wenn ich das Buch nicht schon kennen würde, hätte ich es mir aufgrund deiner Rezi gekauft. *g*

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  3. Hallo Ihr Zwei,
    ja das ist so ein Heule-Buch und Ja Sabine, ich habe die Taschentücher gebraucht ;o) macht nix, ich darf soetwas aber nur lesen, wenn mein GöGa und mein Sohn mich nicht dabei erwischen, die lachen immer. . .
    Lieben Gruß, Petra

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