Sonntag, 24. Juli 2011

"Wo fahren wir hin, Papa?" von Jean-Louis Fournier

155 Seiten
ISBN 9783423247450
dtv
Preis: 12,90€
Taschenbuch


Ein Kind zu bekommen, das ist schon ein kleines Wunder. Das kann jeder nachempfinden, der selbst Kinder hat. Dieses kleine Lebewesen, das so perfekt ist, kaum zu glauben. Wie erschütternd ist dann die Diagnose, dass dieser kleine Mensch schwerbehindert ist. Wie kann das sein, warum nur? Man lernt, damit umzugehen, macht das beste daraus, wächst mit seinen Aufgaben.

Und dann wagt man als Paar den Schritt, und bekommt ein zweites Kind. Wie groß ist die Gefahr, dass auch dieses Kind behindert sein wird? Wohl kaum zu erwarten.
Und doch- hier ist es geschehen. 2 Kinder, 2 Söhne und beide schwerbehindert, nicht körperlich, sondern geistig.
Meine Güte, diesen Brocken muß man als Eltern erst einmal verarbeiten. Und dann gehen einem alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Diese Kinder werden nie studieren, nie selbst Autofahren, nie selbst Kinder haben, nie nie nie. . .

Mein Fazit

gut
Fournier beschreibt hier seine Gedanken, seine Gefühle auf eine Art und Weise, die nicht jedem gefallen wird, der dieses Buch liest oder selbst ein behindertes Kind hat. Und doch kann man jeden oder viele seiner Gedanken nachvollziehen.

Und wenn sich jemand so viele Gedanken um seine Kinder macht, muß er sie unendlich lieben.

In kurzen Sätzen und Abschnitten erfährt der Leser mehr über Mathieu und Thomas, über das, was sie können, wer sie sind, wie sie sind. Erfahrungen, die zum Nachdenken anregen, aber manchmal auch zum Schmunzeln. Denn trotz aller Probleme sind es Kinder. Auch wenn Fournier viele seiner Gefühle und Gedanken sarkastisch verpackt hat, geht es viel um die Umwelt, die Mitmenschen, die nicht unbedingt über seine ironischen Witze lachen können, wobei es ihnen wohl kaum auffällt, dass sich die Ironie und der Sarkasmus hauptsächlich gegen sie und nicht gegen die Kinder richtet. Da ist zum Beispiel die Situation in einem Spielzeuggeschäft beschrieben, in der der Verkäufer tolle Tipps für Geschenke hat, und dem Vater anschließend den Vogel zeigt, als dieser für seine 11- und 13-jährigen Söhne letztendlich wieder Bauklötze und Spielzeugautos kauft.
Ich bringe diesem Mann gegenüber meinen Respekt zum Ausdruck, denn ich finde es beeindruckend, dieses Tabu-Thema auf genau diese Art zu beschreiben, wie er es hier getan hat.

Der Autor
Jean-Louis Fournier, 1938 in Arras geboren, ist Schriftsteller und Humorist und arbeitet zudem als Regisseur für das Fernsehen. Er hat eine Vielzahl von Büchern veröffentlicht. ›Wo fahren wir hin, Papa?‹ wurde in Frankreich zu einem großen Besteller und 2008 mit dem renommierten Prix Femina ausgezeichnet.
Quelle: vorablesen.de

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