Mittwoch, 28. März 2012

"Ziemlich beste Freunde" von Philippe Pozzo di Borgo

250 Seiten
ISBN 9783446240445
Hanser Berlin Verlag
Preis: 14,90€
gebundene Ausgabe


Philippe Pozzo di Borgo sitzt im Rollstuhl, seit einem Unfall beim Gleitschirmfliegen ist er querschnittgelähmt. Er benötigt Hilfe bei allen Tätigkeiten, die ihn betreffen. Das einzige, das perfekt funktioniert, ist sein Kopf. So kann er dieses Buch schreiben, mit Hilfe eines Computers mit einem speziellen Schreibprogrammes. Oder er diktiert es auf ein Aufnahmegerät, das ist allerdings etwas kompliziert, weil Philippe nicht immer weiß, ob es funktioniert. Aber egal, er schafft es, dieses Buch zu schreiben, um der Welt zu berichten von sich, seiner Familie, seinen Problemen überall und jederzeit. Und er berichtet von Abdel, seinem Pfleger, der jederzeit für ihn da ist, ihm hilft und menschlich bleibt beim Umgang miteinander - seinem ziemlich besten Freund.

Meine Meinung

Da ich vorher bereits den Film gesehen hatte, wusste ich in etwa, was mich mit diesem Buch erwartet. Und doch ist es anderes. Der Film ist eher die kurze Variante, während das Buch vielmehr eine Erweiterung des Filmes ist. Hier gibt es so viele Informationen über Philippes Leben vor dem Unfall.

Er berichtet liebevoll von Beatrice, seiner Frau, die ebenso wie er fürchterliches durchmachen muss. Sie ist krank, schwerkrank, hat ständig Fehlgeburten und zudem Krebs.
Er erzählt ebenso liebevoll von seinen Kindern, die adoptiert sind.
Und natürlich bringt Philippe dem Leser die Zeit nach dem Unfall nahe. Die lange Zeit in Krankenhäusern, immer und immer wieder, seine Art, zu leben, in totaler Abhängigkeit anderer Menschen.

Sein Schreibstil dabei ist etwas gewöhnungsbedürftig, da er sehr kurze Sätze benutzt und viele Gedankensprünge hat. Aber ziemlich zu Beginn des Buches erklärt er, dass ihm vieles aus der Zeit vor dem Unfall einfach entfallen ist, und nun nach und nach zurück kehrt. Das habe ich mir immer wieder vor Augen gehalten. Außerdem ist es sicherlich sehr mühsam, etwas zu diktieren, wenn man sich dabei zudem noch auf seine Atmung konzentrieren muß.

Das Buch ist unterteilt in 2 Hauptabschnitte, die wiederum kleine Unterkapitel beinhalten.
Der erste Hauptteil behandelt hauptsächlich familiäres, es geht um die Zeit als Kind, Schüler, Student, Ehemann usw.
Der zweite Hauptteil dagegen ist Abdel, seinem ziemlich besten Freund gewidmet. Allerdings hätte ich dort gerne nochmehr über Abdel erfahren. Wer den Film gesehen hat, wird von Abdel im Buch enttäuscht sein, seine spezielle Art, mit Philippe umzugehen, kommt hier nicht besonders gut zum Ausdruck. Er erscheint eher als ein unangenehmer, krimineller, rücksichtsloser und großmäuliger Schlägertyp, was ihn keineswegs sympathisch macht. Aber was ich auf jeden Fall herauslesen konnte, war die Menschlichkeit, mit der er Philippe gegenübertritt. Er behandelt ihn nicht wie ein zerbrechliches Püppchen, nimmt kein Blatt vor den Mund und schert sich einen Dreck um Rücksichtnahme gegenüber seiner Behinderung. Aber genau das scheint es auszumachen, weswegen Philippe und Abdel so gut miteinander auskommen.

Unterm Strich

Ich würde es nicht als Buch zum Film benennen, sondern eher als Zugabe, weil es eben vieles abdeckt, das im Film nicht erwähnt wird, das hätte sicherlich den Rahmen gesprengt. Ich finde es beeindruckend, und bin froh, dass ich es lesen durfte. Dafür vergebe ich 5 Sternthaler.

 Der Autor
Diese Informationen entfallen hier diesmal, da es sich ja um eine Biografie handelt.
Ich bedanke mich ganz herzlich beim Hanser Verlag, der dieses Buch im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks zur Verfügung gestellt hat.

Kommentare:

  1. Liebe Petra, ich danke dir für diese Rezension. Ich wusste gar nicht, dass der Film auf einem Buch und die ganze Geschichte wiederum auf einer wahren Begebenheit beruht! Meine Kollegin, die nächsten Monat in Elternzeit geht, liebt diesen Film - da weiß ich nun also, was ich ihr zum Abschied schenken werde :)

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  2. Das ist eine gute Idee, allerdings soll sie nicht enttäuscht sein, den Film findet sie im Buch nicht wieder. Es gibt übrigens auch noch die andere Variante, in der der Pfleger seine Sicht erzählt.
    LG Petra

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  3. Oh ich glaube dann muss ich das Buch doch auch mal lesen. Das klingt echt gut. Tolle Rezi. Da mir dein Stil gefällt bin ich dann mal Leserin

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  4. HalloLeseengel,vielen Dank und herzlich willkommen. Ich wünsch dir hier bei mir viel Spaß
    LG Petra

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  5. Hallo,liebe Petra, nun weiß ich nicht, ob ich das Buch lesen soll. Ich war von dem Film sooo begeistert, aber das Buch ist ja anscheinend ganz anders.. Ich glaube, das überlege ich mir, oder vielleicht lese ich es etwas später, wenn ich den Film nicht immer dabei vor Augen habe.. Vielen Dank für die schöne Rezi. Einen schönen Sonntag wünsch ich Dir noch. L.G. Annette

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    1. Hallo Annette,
      ja vielleicht muß man etwas Abstand zum Film bekommen. Lesenswert ist es auf jeden Fall.
      LG Petra

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  6. Danke für die Rezension. Werde es bestimmt einmal lesen, denn der Film hat mir auch schon recht gut gefallen :)

    Liebste Grüße
    - ich freue mich, wenn du vorbeischaust :)

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    1. gern geschehen ;o)
      Klar, vorbeischauen immer!
      LG Petra

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