Donnerstag, 31. Mai 2012

"Schloss aus Glas" von Jeannette Walls

400 Seiten
ISBN 9783453351356
Diana-Verlag
Preis: 8,95€
Taschenbuch


Kindheit- etwas, das man nie wieder bekommt. Und wenn man Kind sein darf, ist es etwas besonderes. Jeannette erzählt hier in ihrer Biografie von ihrer Kindheit, ihren Geschwistern, ihren Eltern und Träumen. Nicht nur ihre Träume, hier sind eher die Träume ihrer Eltern im Vordergrund. Ihr Dad träumt vom Reichtum, vom großen Durchbruch mit einer Goldsuchmaschine, und von einem Schloss aus Glas für seine Familie. Mumm träumt eher davon, eine bekannte Künstlerin zu sein, Bilder zu malen, berühmt zu werden.

Wer solche Flöhe im Kopf hat, hat wohl nicht soviel Zeit, sich vernünftig um seine Kinder zu kümmern. Oder um einen vernünftigen Job, ein Zuhause, Essen auf dem Tisch, gescheite Kleidung, und und und. Und davon erzählt Jeannette. Sie erzählt von ihren ständigen Umzügen, eigentlich eher Fluchten. Von der Freiheit, von unerfüllten Wünschen, von Sternen, von Steinen, von leeren Schnapsflaschen, einfach von allem, was ihr auf dem Weg zum Erwachsen werden so begegnet. Und das ist nicht gerade wenig.

meine Meinung

Ein wunderbarer Roman, erzählt mit der Leichtigkeit eines Kindes bis zur Frau, unbedarft und naiv, erwachsen und aufmerksam. Und trotzdem tiefgründig und erstaunlich ernst und respektvoll. Obwohl es mich erstaunt, solchen Eltern gegenüber Respekt zu zollen, denn ihre Wirkung als Vorbilder sucht man hier vergebens.

So übernimmt Jeannette schnell die Rolle der Mutter, und ist bemüht, es allen recht zu machen. Das machte mich beim Lesen häufig recht traurig, denn ihre Kindheit blieb so leider häufig auf der Strecke. Es ist bemerkenswert, dass im Verlauf ihres Aufwachsens nicht noch schlimmeres als schwere Verbrennungen geschehen sind, weil ihre Eltern einfach nicht in der Lage waren, sich so um ihre Kinder zu kümmern, wie es von Nöten gewesen wäre. Häufig habe ich während des Lesens fassungslos den Kopf geschüttelt, manches Gelesene ist wirklich unglaublich. Aber immer wieder bemerkte ich auch diese bedingungslose Liebe gegenüber ihren Eltern, die sich trotz aller Rückschläge und Niederlagen aufrecht hält bis zum Ende. Immer wieder zu hoffen, an die Eltern zu glauben, sich gegen andere zu wehren, nur um die Eltern vor dem schlechten Ruf zu beschützen, das kann wohl wirklich nur ein Kind.
Das hat mich zutiefst berührt und zugleich erschüttert.
Jeannette schreibt sehr leb- und bildhaft, frei von der Leber weg sozusagen, es riss mich förmlich mit, ließ mich kaum zur Ruhe kommen, bis ich es endlich gelesen hatte.

Unterm Strich

Es gibt nicht viele Bücher, die mich so sehr gefesselt haben wie dieses. Aber so ist nun mal das Leben, spannend, traurig, lustig, voller Liebe und Wahrheit. Dafür vergebe ich gerne 6 Sternthaler.

Die Autorin
(* 1960 in Phoenix, Arizona) lebt und arbeitet als Journalistin in New York City und Long Island. Sie schrieb Gesellschaftskolumnen für E! Channel und das New Yorker Magazin Intelligencer. Im Moment moderiert sie dreimal wöchentlich eine Live-Sendung im Morgenfernsehen bei MSNBC. Sie hatte eine sehr außergewöhnliche Kindheit, über die sie 2006 die Autobiographie Schloss aus Glas veröffentlichte, welche Jeannette Walls zu größerer Bekanntheit auch in Europa verhalf.
Quelle: Wikipedia

Sonntag, 27. Mai 2012

"Mission Munroe - Die Touristin" von Taylor Stevens

448 Seiten
ISBN 9783442478231
Goldmann-Verlag
Preis: 9,99€
Taschenbuch


Essa, Michael, Vanessa sind nur einige Namen, doch dahinter steckt eine Person: Vanessa Munroe. Ihre Stärke: Das Beschaffen von Informationen jeglicher Art. Und das Ganze so unauffällig wie möglich. Ob es um Personen, Wirtschaft oder Politik geht - sie besorgt Ihnen das Gewünschte, egal wie. Sie lebt überall und nirgendwo, spricht 22 Sprachen und kämpft wie Rambo.

Diesmal aber soll sie eine verschwundene Person suchen: Emily, die Stieftochter des Firmenchefs Burbank, Öl-Magnat, ist vor 4 Jahren spurlos in Südafrika verschwunden. Alle Versuche, sie zu finden, sind bis jetzt gescheitert. Für eine enorme Summe Geld hört Munroe sich den Auftrag an und ist bereit, ihn anzunehmen.

Meine Meinung

Die Protagonistin Munroe hat viele verschiedene Gesichter. Sie ist eine Kämpferin, schreckt nicht vor Mord zurück, kann schiessen, mit dem Messer umgehen, Kampfsport. Aber um zu ihrem Ergebnis zu kommen, stellt sie sich auch mal als weiches Püppchen dar. Sie ist sensibel, nicht nur zum Schein. Harte Schale, weicher Kern, das passt zu ihr. Es gibt sicher noch viele Adjektive, mit denen ich sie beschreiben könnte.

Mit ihr ist diese Geschichte auf jeden Fall rasant, abwechslungsreich, aber auch brutal. Insgesamt ist die Story sehr facettenreich, Man bekommt einen Einblick in die verschiedenen Kulturen der einzelnen bereisten Länder, ihre politische Gesinnung.
Ohne Bestechung ist häufig kaum etwas möglich, egal ob Groß oder Klein. Obwohl mich die politischen Anteile meistens eher abschrecken, sind sie hier doch unverzichtbar, um das Ganze zu verstehen. Das könnte den einen oder anderen zur Aufgabe verleiten. Aber ich finde, die Autorin hat diese Anteile gut verteilt und möglichst spannend verpackt, das hat es mir zumindest erleichtert. Ansonsten hat mich die Geschichte um Munroe gepackt und mitgerissen in die Landschaften Süd- und Ostafrikas, in die Korruption und in die Welt der geldgierigen Mächtigen.

Unterm Strich

Ein toller Auftakt, und ich bin gespannt auf weitere Begegnungen mit Munroe. Dafür packende 5 Sternthaler.

Die Autorin
Ihre Kindheit war rastlos. Weil ihre Eltern Mitglieder des »Kinder Gottes«-Kults waren, wuchs Taylor Stevens an ständig wechselnden Orten auf der ganzen Welt auf – oft getrennt von ihrer Familie. Mit zwanzig gelang ihr der Ausbruch aus der Sekte. Heute lebt sie mit ihren zwei Kindern in Dallas und schreibt an der Fortsetzung ihrer international erfolgreichen Mission-Munroe-Serie. 
Quelle: Amazon

Vielen Dank an Amazon-Vine und den Goldmann-Verlag für dieses Exemplar.

Montag, 21. Mai 2012

"Dinner for one, Murder for two" von Auerbach & Keller

432 Seiten
ISBN 9783548610382
List Taschenbuchverlag
Preis: 8,99€
Taschenbuch


Pippa Bolle ist unterwegs, mal wieder. Nachdem sie in ihrem ersten Krimi auf einer Berliner Garteninsel gewohnt hat, ist es diesmal England. Sie soll das Haus ihrer Großmutter hüten, die dazugehörige Tierschar versorgen und so ganz nebenbei eine Theatergruppe betreuen, die zu Shakespeares Geburtstag Hamlet neumodern umsetzen will. Die meisten der Schauspieler sind ihr schnell sympathisch, doch es gibt da den einen oder anderen, der ihr so garnicht zusagt. Da wäre zum Beispiel dieser angeberische Regisseur Hasso von Kestring. Er strotzt vor Arroganz und Selbstverherrlichung, dass es einen schüttelt.
Nun gut, eigentlich hatte Pippa sich auf ihre Aufgabe als Housesitter gefreut, doch als der liebenswerte Hund ihrer Großmutter bei einer Theaterprobe erschossen wird, gehts es erst richtig zur Sache. Und schon ist Pippa mittendrin in einem neuen Fall.

meine Meinung

Nachdem ich den ersten Teil wirklich mit Genuss verschlungen habe, wollte ich mir dieses Vergnügen nicht entgehen lassen. Leider wurde ich während des Lesens schnell etwas eingebremst. Mit etwas mehr als 400 Seiten zieht sich das Ganze doch sehr in die Länge, und die Spannung lässt lange auf sich warten, wie ich finde, diesmal etwas zu lange.
Man hält sich einfach zu lange mit uninteressanten Diskusionen auf, die mich in der Geschichte ansich nicht wirklich vorwärts brachten.
Es ist recht verworren und undurchsichtig, und leider, trotz einer tollen Auflistung aller Beteiligten gleich zu Beginn, zu viele Personen. Auch ihre Namen bekam ich nur schwerlich in den griff, ständig musste ich nach vorn blättern, um auf die Liste zu schauen.
Die Charakter hingegen gefallen mir sehr gut, ob griesgrämiger Meckerpott oder schüchternes Püppchen, die Mischung ist witzig und vielfältig.
Ganz nebenbei lernt der Leser noch ein wenig über Geschichtliches, Landschaftliches und natürlich kommt auch Shakespeare nicht zu kurz.

Unterm Strich

Manchmal ist weniger eben doch mehr, egal ob Personen, Informationen oder Leichen. Darum diesmal 3 Sternthaler von mir.

Die Autorinnen
Frau Auerbach lebt und arbeitet als freie Autorin im Rheingau. Sie schreibt Krimis, Kurzgeschichten und Drehbücher. Sie liebt einsame Inseln aller Längen- und Breitengrade, auf denen und über die sie schreibt. Ihre lebenslange Passion gilt Shakespeare und einem guten Glas Single Malt Whisky.
Frau Keller ist seit 2005 freie Schriftstellerin, nachdem sie u.a. als Köchin gearbeitet, Veranstaltungen organisiert, internationale Pressearbeit gemacht und Schauspieler betreut hat – natürlich nacheinander. Nach vielen Jahren im Ruhrgebiet ist sie zu ihren familiären Wurzeln zurückgekehrt und lebt jetzt an der Nordseeküste.
Quelle: vorablesen.de

Sonntag, 20. Mai 2012

"Als das Leben überraschend zu Besuch kam" von Caroline Vermalle

287 Seiten
ISBN 9783431036824
Luebbe
Preis: 10,-€
gebundene Ausgabe


Es sind die Kleinigkeiten, die mich erfreuen. Und diesmal ist dieses Buch genau diese Kleinigkeit. Man sagt, einen alten Baum versetzt man nicht mehr. In diesem Fall ist Jacqueline der alte Baum. Sie ist 73 Jahre alt, seit langer Zeit mit Marcel verheiratet. Doch auf einmal wird ihr klar, dass das jetzt ein Ende haben muss. Kurzentschlossen packt sie ihre Koffer und verschwindet, ohne ihrem Marcel etwas davon zu sagen. Ihr Ziel ist eine kleine Insel, auf der Ihre Cousine Nane lebt. Und so beginnt eine kleine Geschichte, erzählt von stillen Beobachtern.

Meine Meinung

Kennen Sie diese Namen? Apeliotes, Zephyr und Skiron? Nein? Es sind die Winde, die diese Geschichte erzählen. Oder vielleicht Maniola jurtina? Auch nicht?  Es ist ein Schmetterling, das große Ochsenauge. Er ist erst zwei Tage alt, aber gemeinsam mit den Winden erzählt und begleitet er die Geschichte um Jacqueline und lässt sich vom Wind weitertragen, um nichts zu verpassen.
Es ist, wie ich finde, eine schöne Geschichte, die mit einer entspannenden Leichtigkeit erzählt wird, dass ich gerne mit dem Wind und dem Schmetterling mitgeflogen wäre. Im Wechsel wird mal von Jacqueline, und mal von Marcel berichtet. Und während sie in der Vergangenheit stöbert und nicht so genau weiß, was sie finden oder erwarten soll, macht Marcel sich auf den Weg, um seine Frau zu beeindrucken. Dazu will er jedoch nicht einfach den Zug nehmen, sondern er hat sich in den Kopf gesetzt, zu ihr zu schwimmen, bis zu dieser kleinen Insel, in der Hoffnung, sie dort auch anzutreffen.
Das ganze wird auf eine angenehme Art erzählt, und wie ich finde, in einem recht poetischen Stil, ohne sonderlich hochtrabend zu klingen.
Die verschiedenen Charaktere sind wundervoll, und auch das Drumherum wird sehr bildhaft dargestellt, sodass es für mein Kopfkino ein leichtes war, mir das Ganze bildlich darzustellen.

Unterm Strich

Ein kleiner Schatz, der von der Liebe erzählt, getragen vom Wind, leicht wie die Flügel des Schmetterlings. Für den einen vielleicht Kitsch, für mich Poesie, die mir 5 Sternthaler wert ist.

Die Autorin
Caroline Vermalle wurde 1973 in der nordfranzösischen Picardie geboren. Nach dem Studium der Filmwissenschaften drehte sie in London Dokumentarfilme für die BBC. 2007 kehrte sie nach Frankreich zurück und veröffentlichte ein Jahr später ihren ersten Roman "Denn das Glück ist eine Reise" - von der Presse hoch gelobt und ausgezeichnet mit dem Prix Chronos de littérature 2011 und dem Nouveau talent 2009.
Quelle: Lübbe

Ich bedanke mich herzlich beim Lübbe-Verlag und Blogg dein Buch für dieses Exemplar. Lust, bekommen, es selbst zu lese? Dann klick hier, um es zu kaufen. .